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                      Geschichte vom Osterhasen
           
                                  
Der Osterhase Mümmelmann 
sieht sich den Eiervorrat an: 
„Genug! Ich hab das Malen satt! 
Jetzt geht´s nach Laubach in die Stadt, 
denn Ostern muss ich dort sein.“   

Er füllt die Kiepe bis zum Rand, 
er winkt noch einmal mit der Hand, 
dann läuft er schon im Hoppeltrab 
den grünen Fichtenpfad hinab 
und ist auch bald am Feldrain.   

Da sieht er im Vorübergehn 
den Rotfuchs unterm Baume stehn. 
Der ruft: „Herrjeh, wie hast du´s schwer! 
Gib mir doch mal die Kiepe her, 
ich will dir tragen helfen!“   

Wie nett, denkt Mümmelmann und staunt: 
der Rotfuchs ist heut gut gelaunt! 
Reicht ihm die Kiepe hin: „Hier hast 
du meine süße Osterlast – 
gib acht, dass du nicht stolperst!“   

Der Rotfuchs nickt und läuft gleich los. 
Die Sonne brennt, die Hitz´ist groß,   
und Mümmelmann freut sich und lacht: 
Na, hab ich das nicht fein gemacht? 
Der dumme Fuchs muss schwitzen.   

Doch plötzlich an dem Buchenplatz 
der Fuchs macht einen großen Satz, 
noch ein Sprung ums Felseneck, 
dann in die Büsche und ist weg – 
mit ihm die Eierkiepe.   


Der Mümmelmann, der weinte sehr: 
„Nun hab ich keine Eier mehr! 
Und alle Kinder, groß und klein, 
die werden auf mich böse sein, 
wenn sie vergeblich warten.“   

Doch rums! Hat es im Wald geknallt, 
dem Mümmelmann, dem ward es kalt, 
er zitterte und duckte sich, 
er witterte, sprang auf und schlich 
vorsichtig um die Ecke.   

Da sah den Fuchs er mausetot. 
Dabei den Jäger Kugelschrot, 
der schüttelt seinen Kopf und spricht: 
„Schockschwerenot, das gibt´s doch nicht: 
ein Fuchs mit Ostereiern!“ 

Der Has verbeugt sich und sagt: “Nein, 
die Ostereier, die sind mein! 
Der böse Fuchs, der nun tot ist, 
der hat mit Hintertück und –list 
sie mir abgaunern wollen.“   

Der Jäger lacht: „Sieh einer an! 
Der Osterhase Mümmelmannn! 
Da hast du nochmal Glück gehabt. 
Nun rasch die Kiepe hochgerappt, 
denn morgen ist doch Ostern!“   

Da solltet ihr den Hasen sehn 
vergnügt den Weg nach Laubach gehn! 
Und hinterm Feld das erste Haus, 
da packt er seine Kiepe aus – 
gebt acht, gleich wird er klopfen!

    

Unveröffentlichter Text
(c) Rudolf Otto Wiemer Erben, Hildesheim